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Wie wir 200 Jahre lang Budgets falsch analysiert haben

Veröffentlicht 2018 Budgetanalyse
Wie wir 200 Jahre lang Budgets falsch analysiert haben

Schauen wir uns mal an, wie Menschen seit dem 19. Jahrhundert ihre Budgets verkackt haben. Spoiler: Wir machen heute noch dieselben Fehler, nur mit besserer Software.

1850er: Alles auf Papier, null Kontext

Damals schrieben Buchhalter einfach Zahlen in Spalten. Klingt simpel, oder? Das Problem: Sie verglichen niemals verschiedene Zeiträume. Ein Monat mit hohen Ausgaben? Egal. Nächster Monat niedrige Einnahmen? Auch egal.

Der Fehler war, dass sie jeden Monat isoliert betrachteten. Keine Trends, keine Muster. Nur Zahlen in Reihen.

Studenten machen das heute noch – ihr schaut euch eure Kontoauszüge an und denkt "Oh, im März hatte ich viel ausgegeben" ohne zu fragen warum oder ob das jedes Jahr im März passiert.

1920er-1960er: Die Vorjahres-Falle

Dann kam die große Idee: Vergleicht das Budget mit dem Vorjahr! Firmen und Haushalte dachten, sie wären Genies.

Aber sie haben einen massiven Denkfehler gemacht. Sie nahmen an, dass das Vorjahr der perfekte Maßstab war. Was wenn das Vorjahr schon beschissen war? Dann vergleicht ihr Scheiße mit Scheiße und denkt, alles läuft super.

Ich sehe das ständig bei Kommilitonen: "Letztes Semester habe ich 400 Euro im Monat ausgegeben, jetzt auch, also bin ich im Plan." Ja, aber vielleicht waren 400 Euro letztes Semester schon zu viel?

1980er-2000er: Excel macht uns zu selbstsicher

Computer kamen, Tabellenkalkulationen wurden zum Standard. Plötzlich konnten alle fancy Diagramme erstellen. Bunte Kreisdiagramme überall.

Der neue Fehler? Leute vertrauten den Grafiken blind. Sie schauten auf ein Liniendiagramm, das nach oben ging, und dachten "Alles gut!" ohne zu fragen: Steigt das linear oder exponentiell? Ist das nachhaltig?

Außerdem: Sie ignorierten Ausreißer komplett oder löschten sie einfach. "Oh, im Juni habe ich 800 Euro für Lehrbücher ausgegeben, das war einmalig, zählt nicht." Doch, zählt es. Jedes Jahr im Juni kommen Lehrbücher.

2010er-heute: Daten ohne Nachdenken

Jetzt haben wir Apps, die alles automatisch tracken. Banking-Apps zeigen hübsche Kategorien. Budgeting-Tools machen Forecasts.

Und trotzdem: Studenten schauen sich diese Daten an und ziehen keine Schlüsse daraus. Oder noch schlimmer – sie ziehen die falschen Schlüsse, weil die App "Party" und "Lebensmittel" nicht unterscheiden kann, wenn ihr beides bar bezahlt.

Die Lektion aus 200 Jahren? Tools ändern sich, aber der Grundfehler bleibt: Zahlen ohne Kontext sind nutzlos.

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